Fast jeder Unternehmer hat und braucht ihn: einen Kontokorrentkredit. Er lässt das Geschäftskonto einfach, schnell und bequem überziehen. Doch er gehört mit acht bis achtzehn Prozent Zinsen zu den teuersten Krediten, die ein Unternehmen nutzen kann. Wer dieses Instrument versteht, kann sofort eine Menge Geld sparen.

Der Kontokorrentkredit ist kein Fehler. Er wird nur falsch eingesetzt – nämlich als dauerhafte Finanzierung statt als kurzfristige Überbrückung.

Wie die Bank den Rahmen festlegt

Mit dem Kontokorrentkredit gestattet die Bank die Überziehung des Geschäftskontos. Den maximalen Verfügungsrahmen legt sie anhand des Bonitätsprofils des Kunden fest. Für den gestatteten Rahmen verlangt sie je nach Kunde bis zu rund 13,5 Prozent Zinsen.

Überzieht der Kunde diesen gestatteten Rahmen, gewährt die Bank häufig zusätzlich einen geduldeten Überziehungskredit – mit bis zu 18 Prozent Zinsen. Für die Institute ist das ein lukratives Geschäft, gerade in Phasen niedriger Zinsen. Sie refinanzieren sich über die kaum verzinsten Guthaben der Kunden, die ihren Kontokorrentkredit gerade nicht nutzen.

Das Risiko: jederzeit kündbar

Viele Unternehmer wissen nicht, welches wirtschaftliche Risiko sie mit einem Kontokorrentkredit eingehen. Die Bank kann den Kreditrahmen nach ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen jederzeit verringern oder kündigen. Bei einer Kündigung erwartet sie in der Regel den sofortigen Kontoausgleich – sonst droht sie mit der Kündigung des Geschäftskontos.

Der Kontokorrentkredit ist damit ein Instrument für wenige Tage, nicht für Monate. Für eine kurzfristige Überziehung des Geschäftskontos ist er sinnvoll. Als Dauerlösung wird er zur teuren und jederzeit entziehbaren Belastung.

Dauerhafte Nutzung umwandeln

Wird der Rahmen dauerhaft genutzt, ist ein Ratendarlehen die bessere Wahl. Damit lösen Sie den teuren Kontokorrentkredit ab. Ein Ratendarlehen kann deutlich günstiger liegen; die Zins- und Tilgungsraten bewegen sich je nach Bonität und Laufzeit oft bei etwa der Hälfte des Dispozinses. Bei vorzeitiger Tilgung fallen allerdings in der Regel weitere Gebühren an. Rechnen Sie den Vergleich deshalb mit der geplanten Laufzeit, nicht mit dem Bestfall.

Eine begrenzte Erhöhung des Kontokorrentrahmens – etwa für zwei bis drei Monate – ist bei vielen Instituten ohne Probleme möglich. Sie ist allemal besser, als in den ungeduldeten Überziehungskredit zu rutschen.

Kurzfristigen und dauerhaften Bedarf trennen

Ein Kontokorrentkredit sollte nicht den Kapitalbedarf eines ganzen Vorhabens decken. Prüfen Sie vor dem Gespräch, welcher Teil des Bedarfs kurzfristig und welcher dauerhaft ist. Kurzfristig passt der Rahmen, dauerhaft passt das Darlehen. Wer diese Trennung sauber zieht, verhandelt mit der Bank auf einer anderen Grundlage – nämlich über Struktur statt über einen Zinssatz.

Das gilt besonders für Investitionen. Eine Maschine, ein Fahrzeug oder ein Umbau werden über Jahre genutzt. Die passende Laufzeit sollte zur Nutzungsdauer passen. Wird ein solches Vorhaben dauerhaft über den Kontokorrentkredit finanziert, zahlt das Unternehmen jeden Monat den Aufschlag für Flexibilität, die es gar nicht braucht.

Clever verhandeln mit dem Berater

Der Zinssatz für den Kontokorrentkredit ist nicht in Stein gemeißelt. Unterhält der Unternehmer bei der Bank weitere Konten – Tagesgeld, Wertpapiere, Guthaben –, sollte er das im Gespräch anführen und ein besseres Zinsangebot verlangen. Im Spielraum des Beraters liegen erfahrungsgemäß bis zu drei Prozentpunkte. Auf Dauer ist das eine spürbare Entlastung.

Drei Regeln für den Umgang mit dem Rahmen:

  • Treffen Sie den Kontokorrentkredit nur für kurzfristige Überbrückungen ein.
  • Prüfen Sie mindestens zweimal jährlich, bis zu welcher Höhe Sie überziehen dürfen, ohne eine Kündigung zu riskieren.
  • Gleichen Sie jede Zinsbelastung zeitnah nach der Buchung wieder aus, sonst greift der negative Zinseszinseffekt.

Der letzte Punkt wird häufig übersehen. Wer Zinsen auflaufen lässt, zahlt Zinsen auf Zinsen – und damit weit mehr als den ausgewiesenen Satz. Ein kurzer Blick auf das Konto nach jeder Buchung genügt, um das zu vermeiden.

Hilfreich ist außerdem, den Bedarf an Überziehung realistisch zu bemessen. Wer den Rahmen zu hoch wählt, zahlt Bereitstellungszinsen für Geld, das er nicht nutzt. Wer ihn zu niedrig wählt, rutscht schneller in die ungeduldete Überziehung. Der richtige Rahmen liegt dort, wo der monatliche Höchstbedarf an Liquidität tatsächlich anfällt – nicht darüber.

Wenn Sie Zinsen und Rahmen Ihres Kontokorrentkredits sauber aufstellen wollen, ordne ich das im Beratungsfeld Finanzierung gemeinsam mit Ihnen – von der Kalkulation bis zur Verhandlung mit der Bank.