Wer heute einen Kredit braucht, bekommt morgen keinen Termin. Zwischen der Antragstellung und der Bewilligung vergehen in der Regel drei bis sechs Wochen. Wer Geld zu einem bestimmten Stichtag benötigt – für eine Maschine, einen Fahrzeugkauf oder den Ausbau der Räume –, sollte deshalb früh genug einen Gesprächstermin vereinbaren. Zeitdruck ist im Bankgespräch der schlechteste Verhandlungspartner.
Ein Kreditgespräch ist keine Prüfung, die man mit Glück besteht. Es ist ein Fachgespräch zwischen Kaufleuten. Die Bank will wissen, wofür das Geld verwendet wird, wie es zurückfließt und welches Risiko sie trägt. Wer diese drei Fragen sauber beantwortet, hat den größten Teil schon gewonnen.
Rechtzeitig planen, nicht erst wenn das Geld fehlt
Kreditinstitute vergeben nicht nach Sympathie, sondern nach Unterlagen, Zahlen und Sicherheiten. Erkundigen Sie sich vorab, welche Unterlagen vor dem Gespräch eingereicht werden müssen und welche im Termin ausreichen. Viele Institute halten dafür Checklisten bereit, die bei der Zusammenstellung helfen. Diese Frage vorab zu klären spart Wochen.
Ein weiterer Punkt, der regelmäßig unterschätzt wird: Sprechen Sie die Finanzierung an, solange Ihr Unternehmen auf gesunden Beinen steht. Wer erst im Engpass zur Bank geht, verhandelt aus einer Position der Schwäche. Eine Investition sollte man mit einer Reserve planen, nicht auf den letzten Euro.
Planen Sie die Finanzierung deshalb vom Bedarf her rückwärts: Wann wird das Geld gebraucht, wie lange läuft das Vorhaben, ab wann fließt der Rückfluss? Diese drei Termine bestimmen das Gespräch.
Die Unterlagenmappe entscheidet über den ersten Eindruck
Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Stellen Sie die Unterlagen in einer ordentlichen Mappe mit Deckblatt und Inhaltsverzeichnis zusammen und reichen Sie sie mindestens eine Woche vor dem Termin ein. Lose Blätter, fehlende Anlagen und unklare Zahlen kosten Vertrauen, bevor das Gespräch beginnt.
Ordnung ist dabei kein Selbstzweck. Wer seine Unterlagen beherrscht, wirkt wie jemand, der sein Unternehmen beherrscht – und genau das prüft die Bank.
Was die Bank tatsächlich prüft
Die Bank schaut nicht nur auf das Vorhaben, sondern auf den ganzen Betrieb. In der Regel achtet sie auf:
- die persönlichen Verhältnisse und die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers,
- Produkt und Vertrieb, dazu die Realisierbarkeit der Umsatz- und Ertragserwartung,
- die Höhe des Eigenkapitals,
- die bisherige Kontoführung, also Zahlungsweise und Geldbewegungen.
Aus diesen Punkten entsteht ein internes Bild. Wer dieses Bild kennt, kann es im Gespräch gezielt ergänzen – etwa durch Auftragsbestand, wiederkehrende Kunden oder neue Geschäftszweige.
Überzeugen im Gespräch
Erläutern Sie, wofür Sie die Investition brauchen, wie die Rückzahlung läuft und was Sie sich von dem Vorhaben versprechen. Zeigen Sie, dass Sie Ihre wichtigsten Unternehmensdaten und Ihr Konzept kennen und erklären können. Kalkulieren Sie mit realistischen Zahlen. Die Bank rechnet nach. Immer.
Lassen Sie sich Ihre betriebswirtschaftlichen Auswertungen, etwa die BWA, von Ihrem Steuerberater oder Berater erläutern, bevor Sie sie einreichen. Prüfen Sie die Unterlagen vorab auf Schwachstellen. Erkundigen Sie sich auch, wann Ihr Berater zuletzt eine Finanzierung begleitet hat – die Geschäftspolitik der Banken verändert sich und damit die Anforderungen. Verlassen Sie sich nicht auf überholtes Halbwissen.
Prüfen Sie außerdem geförderte Alternativen. Zahlreiche Institutionen bieten öffentliche Finanzhilfen, die gerade kleine Unternehmen unterstützen. Solche Förderprodukte sind häufig günstiger als ein Bankkredit. Ein Blick in die öffentlichen Fördermitteldatenbanken lohnt sich vor dem Gespräch, weil Sie dann mit der Bank über eine günstigere Kombination verhandeln.
Tilgung verhandeln, nicht hinnehmen
Lassen Sie sich die Tilgungsraten nicht vorschreiben. Liquiditätsprobleme entstehen, wenn die Rate in einen Monat ohne große Zahlungseingänge fällt. Legen Sie den Tilgungstermin bewusst auf Zeiten mit regelmäßigen Eingängen. Die Bank kennt mehrere Modelle:
- gleichbleibende Raten,
- Tilgung mit steigenden oder fallenden Raten,
- Stufentilgung,
- endfällige oder teilweise endfällige Darlehen,
- unregelmäßige Tilgung.
Gehen Sie diese Varianten mit der Bank durch und lassen Sie sich die Gesamtkosten jeder Variante nennen. Neben dem Zinssatz gehören dazu Laufzeit, Auszahlungssatz, Bereitstellungszinsen, Kreditprovision, Bearbeitungsgebühren und Kontoführungskosten. Erst der Vergleich zeigt, welche Variante zu Ihrem Zahlungsrhythmus passt.
Wenn Sie ein Bankgespräch konkret vorbereiten wollen, ordne ich im Beratungsfeld Finanzierung gemeinsam mit Ihnen Unterlagen, Zahlen und Verhandlungslinie – damit Sie nicht auf das Gespräch reagieren, sondern es führen.
